Haftungsverteilung bei Zusammenstoß zwischen Lkw und Pferd

1. Verteilung der Gefährdungs- bzw. Haftungsanteile, wenn ohne nachweisbares Verschulden eines Beteiligten ein ordnungsgemäß den rechten Fahrbahnrand benutzender Reiter auf verkehrsreicher Innenstadtstraße von einem zweigliedrigen Lkw-Zug überholt wird, woraufhin das Pferd während des Überholvorgangs scheut und vom Lkw-Anhänger erfasst wird.

2. Zum erforderlichen Sicherheitsabstand eines Lkw-Zugs, der auf verkehrsreicher Innenstadtstraße einen Reiter überholt (in der  Regel 1,50 bis 2 m).

3. Ein Verstorbener ist als nicht existenter Beklagter parteifähig, wenn Dritte, z. B. Hinterbliebene, auf die ihnen zugestellte Klage im Rahmen des Prozesses reagieren. Allerdings ist im nachfolgenden Kostenfestsetzungsverfahren zu entscheiden, ob hierdurch entstehende Rechtsanwaltskosten notwendig sind

Sachverhalt:

Die Kl. ist Eigentümerin des Ponys und verlangt Schadensersatz wegen Verletzung des Pferdes durch einen Verkehrsunfall. Das Pony wird zu Therapiezwecken für die behinderte Tochter der Kl. eingesetzt und vom Sohn der Kl., dem Zeugen K, geritten. Vor dem Unfall wurde es auch im Turniersport für Dressurübungen eingesetzt. Der Zeuge K ritt auf der stark befahrenen Straße über den am rechten Fahrbahnrand angelegten Radweg. Der Bekl. zu 3 fuhr mit dem Lkw auf derselben Straße in gleicher Fahrtrichtung. Im Verlauf einer leichten Linkskurve stießen das Pferd und der linksseitig passierende Gliederzug zusammen. Dabei erlitt das Pferd eine sich quer zu seiner Längsachse ziehende Fleischwunde am rechten Hinterteil oberhalb des Schwanzes. Zur Höhe des Schadens hat die Kl. vorgetragen, der Wert des Ponys habe vor dem Verkehrsunfall mindestens 10000 Euro betragen, da es auf Grund einer qualifizierten Ausbildung bereits auf M- oder S-Niveau gelaufen sei. Infolge des Verkehrsunfalls habe es seitdem keinen messbaren materiellen Wert mehr. Ferner hat die Kl. Mehrkosten für die Unterbringung und Führmaschine in Höhe von 550 Euro und 109,98 Euro, nicht gedeckte Tierarztkosten von 1928,07 Euro sowie Transportkosten von 214,20 Euro geltend gemacht. Der Bekl. zu 1 war bereits zuvor im Jahr 2009 verstorben. Nachdem dies seitens der Prozessbevollmächtigten der Bekl. mit Schriftsatz vom 25. 9. 2009 bekannt gegeben worden ist, hat die Kl. die Klage gegen den Bekl. zu 1 zurückgenommen. Die Kl. hat beantragt, die Bekl. zu 2 und 3 als Gesamtschuldner zur Zahlung von 12 802,25 Euro nebst Verzugszinsen sowie vorgerichtliche Anwaltskosten von 837,52 Euro zu verurteilen.