Flugentschädigung auch bei Verpassen des pünktlichen Anschlussfluges aufgrund Verspätung des Zubringerfluges

Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe hat mit Urteil vom 17. September 2013, Aktenzeichen X ZR 123/10 die umfassenden Rechte von Flugreisenden bekräftigt.

 

Sachverhalt:


Im konkreten Fall ging es bei mehreren Klägern jeweils um eine Ausgleichszahlung in Höhe von EUR 600. Die Kläger hatten bei der spanischen Fluggesellschaft Iberia eine Flugreise von Miami über Madrid nach Düsseldorf gebucht und erhielten ihre Bordkarten für die gesamte Reise bereits beim Flugantritt in Miami.

 

Der Abflug von Miami nach Madrid verzögerte sich um eine Stunde und 20 Minuten, so dass die Kläger ihr Ziel Madrid mit entsprechender Verspätung erreichten. Ihren Weiterflug nach Düsseldorf erreichten die Kläger deswegen nicht mehr und musste einen späteren Flug nehmen. Dadurch erreichten sie ihr Endziel Düsseldorf erst sieben ein halb Stunden später als geplant.

 

Verfahrensgang:


Das erstinstanzliche Gericht hatte die Klage abgewiesen, das Berufungsgericht ihr stattgegeben.

 

Der BGH hatte zunächst das Revisionsverfahren ausgesetzt und dem Europäischen Gerichtshof die Rechtsfrage vorgelegt, ob ein Fluggast die Entschädigung auch bekomme, wenn sein Zubringerflug nur leicht verspätet ist, er aber letztendlich über drei Stunden verspätet an seinem Zielort ankomme.

Nach dem Urteil des EuGH vom 26. Februar 2013 zur Auslegung der Fluggastrechteverordnung hat der BGH seine Vorlage jedoch zurückgenommen und die Revision der Fluggesellschaft zurückgewiesen.

 

Inhalt der Entscheidung:


Der Bundesgerichtshof erachtet in diesen Fällen die Klageforderung als begründet, da nach der Rechtsprechung des EuGH den Fluggästen ein Ausgleichsanspruch nach Art. 7 der Fluggastrechteverordnung auch dann zustehe, soweit sie, infolge der Verspätung ihr gebuchtes Endziel mit einer Verspätung von über drei Stunden erreichen.

 

Dass die letztendliche Verspätung am Endziel darauf beruhe, dass aufgrund der Flugverspätung ein selbst nicht verspäteter Anschlussflug verpasst wird, mache dabei keinen Unterschied.

 

 

Fazit:


Wie die vorliegende Entscheidung des BGH nochmals bestätigt, kann eine Entschädigung auch dann verlangt werden, wenn der eigentlich pünktliche Anschlussflug aufgrund einer geringfügigen Verspätung des Zubringerfluges verpasst wird.

 

Die Leipold Rechtsanwaltsgesellschaft mbH rät allen Passagieren, die von der Fluggesellschaft nicht befördert wurden, deren Flug ausgefallen oder stark verspätet ist, mögliche Ansprüche gegen die Fluggesellschaft von einer auf Reise- oder Flugrecht spezialisierten Anwaltskanzlei überprüfen zu lassen.