Prokon - Anleger bekommen immer mehr Druck durch die Geschäftsleitung

Geschäftsführung macht Anleger zu Schuldigen. Anlegerschützer warnen davor Geld in Proton nachzuschießen.

 

Bereits seit Wochen berichten die Medien von Schwierigkeiten bei Prokon. Ende des Jahres waren mehr als die Hälfte des Grundkapitals verloren. Jetzt wird dies damit begründet, dass man den Anlegern zu viel Zinsen ausbezahlt hätte.

 

Den betroffenen Anlegern kann dies jedoch nicht angelastet werden. Ursprünglich hat Prokon mit einer hohen Verzinsung für das Geld der Anleger geworben. Verschlechtert sich die finanzielle Situation eines Unternehmens, ist es Aufgabe der Geschäftsleitung dies rechtzeitig zu erkennen und entsprechend zu reagieren. Notfalls auch mit einer angekündigten Reduzierung der vorher angepriesenen Verzinsung von eingebrachtem Kapital. 

 

Gerade dies ist aber im Fall Prokon nicht erfolgt. Stattdessen hat man weiterhin die hohen Zinsen ausgezahlt. Der Grund dafür kann derzeit dahingestellt bleiben, um der Geschäftsleitung an dieser Stelle nichts zu unterstellen.

 

Die jetzigen Probleme aber nun den Anlegern, welche ihr Geld sichern wollen und sich an die vereinbarten  Kündigungsvorschriften halten, "in die Schuhe zu schieben", dürfte in Deutschland einmalig sein.

 

Die Probleme sind nicht die Kündigungen bei Prokon, sondern offenbar die Fehler der Geschäftsleitung in der Vergangenheit. Man sollte hier nicht Ursache und Wirkung vertauschen. Eine regelrechte Kündigungswelle ging erst einher mit fehlender Transparenz des Unternehmens und der Meldung über den Verlust des halben Grundkapitals.

 

Das am 10. Januar 2014 veröffentlichte offene Schreiben an die Anleger ist eher als Dreistigkeit gegenüber den besorgten Anlegern zu verstehen und passt zu dem Verhalten der Geschäftsleitung in der Vergangenheit. 

 

Insbesondere die darin enthaltenen Aufforderungen verschiedene Erklärungen abzugeben. Auch die Begründung, dass Kapital wäre eigentlich mit 130 Prozent aus stillen Reserven abgesichert, ist wiederum ein Taschenspielertrick. Zwar mag es sein, dass das Anlagevermögen tatsächlich höher bewertet werden müsste. Bleibt aber die Frage, was ist tatsächlich für die Sachanlagen zu realisieren, so dass Anleger an ihr Geld kommen. Dies hängt allerdings auch von der Bonität eines Unternehmens ab.

 

Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Michael A. Leipold meint dazu:"In 11 Jahren deutschem Anlegerschutz habe ich eine solche Vorgehensweise noch nie erlebt. Anleger die sich um Ihr Geld sorgen machen, so unter Druck zu setzen ist unerhört. An dieser Stelle ist Offenheit und Ehrlichkeit gefragt. Aus meiner Sicht können Kündigungen nur dann vermieden werden, wenn endlich geprüfte Zahlen auf den Tisch kommen und eine entsprechende Lösung für die Zukunft."

 

"Anleger sollten nicht unüberlegt einfach kündigen, aber auf jeden Fall ihre Ansprüche von Spezialisten prüfen lassen und dann eine Entscheidung für ihr Kapital treffen. Andernfalls könnte den Prokon Anlegern das gleiche widerfahren wie vor 4 Wochen den Anlegern der Infinus Gruppe die gerade einen Großteil ihres Geldes zunächst Mal verloren haben." so Rechtsanwalt Leipold weiter.

 

 

Der Zustand der bei Prokon eingetreten ist, kann nicht den besorgten Anlegern zugeschoben werden, sondern einer bis hin zum Schreiben vom 10. Januar 2014 desaströsen Geschäftsführung bei dieser Gesellschaft die anders als die Befürworter auch nicht zur Vertrauensbildung der Anleger geführt hat.

 

Hinsichtlich eines Vorgehens gegen Prokon muss jeder Einzelfall ordentlich geprüft werden. Keinesfalls sollten allerdings Gelder in das Unternehmen nachgeschoben werden, so lange man nicht den wirklichen Zustand der Gesellschaft kennt.